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Landesirrenanstalt

Lost Place in Deutschland


45 Bilder

Alte Tapeten blättern von den Wänden, verstaubtes Mobiliar und Geschirr steht in vergitterten Räumen, russische Broschüren liegen auf dem Boden. Die Bezeichnungen der Häuser auf dem großen Lageplan klingen fremd und sonderbar: „Haus für halbruhige Kranke“, „Haus für zerstörungssüchtige Frauen“ oder „Haus für verblödete Kranke“. Vor mehr als 100 Jahren sind diese Namen eingetragen worden. Die heute unter Denkmalschutz stehende Anlage wurde zwischen 1905 und 1908 erbaut und sollte Platz zum Spazierengehen und Erholen für 1.660 Patienten bieten. Hier konnten sie leben, arbeiten und wurden vom Pflegepersonal und ausgebildeten Ärzten umsorgt. Es war in der Irrenanstalt alles vorhanden, was eine kleine Stadt zur Jahrhundertwende so alles benötigte. Nur mit dem kleinen Umstand, dass die „Bürger“ keinen freien Ausgang hatten und unter ständiger Kontrolle standen. Auch die Geschichte der Landesirrenanstalt ist so wechselhaft wie ihre Geschichte selbst. Im Ersten Weltkrieg diente sie zeitweise als Reservelazarett. Während der großen Rezession musste sie sogar für einige Jahre geschlossen werden. Während der NS-Zeit spielte die Klinik dann eine tragische Rolle im Euthanasie-Programm des NS-Regimes. In diesem Programm wurden geistig & körperlich Behinderte, Geisteskranke oder Asoziale Personen als unwertes Leben definiert und deren Vernichtung vorgesehen. Allein hier wurden dadurch mehr als 1.500 Leben ausgelöscht. Ab 1945 diente sie teilweise der Roten Armee bzw. später der GSSD als Militärhospital. Seit 1993 steht das 30 Hektar große Areal leer.


Ein Beispiel für die Behandlungsmethoden bzw. des Umgang mit Patienten in der damaligen Zeit:
„In der Landesirrenanstalt wurde die neunzehnjährige Schwachsinnige Klara Wand (sie war halbseitig gelähmt) in der Nacht von einer Pflegerin ins Bad gestellt. Die Pflegerin ließ heißes Wasser in die Wanne, ging weg und schlug die Tür zu. Die Schwachsinnige erlitt schwere Verletzungen und starb. Die Leitung der Irrenanstalt teilte der Mutter der Patientin den Tod des Kindes mit sachlichem, aber knappem Bedauern mit. Quelle: Das journalistische Werk, Band 3 (1929-1939) von Joseph Roth.


Die Gebäude sind verfallen, mutwillig zerstört und von Schrottdieben heimgesucht worden. Aktuell werden Interessenten für die alten Häuser gesucht um Wohnungen, Ateliers oder Gewerberäume zu errichten.

Diese Bilder wurden sehr wenig bis garnicht nachbearbeitet. Mir geht es beim Aufnehmen der Fotos um das Dokumentieren und Einfrieren der oft schon längst vergessenen Überbleibsel aus vergangener Zeit. Ich hoffe euch gefällt das Ein oder Andere und vielleicht sind ja auch Objekte dabei, in denen ihr selbst einst gearbeitet, gewohnt oder einfach nur Zeit verbracht habt. Viel Spaß.